Zu Beginn ist da lediglich die leere Fläche – ruhig, offen und ohne Vorgaben. Es existiert noch kein klares Bild, eher ein innerer Impuls, überhaupt anzusetzen. Die ersten Eingriffe entstehen aus diesem Zustand heraus: Farbe wird aufgetragen, verwischt, gekratzt oder getupft. Es sind keine endgültigen Aussagen, sondern erste Annäherungen. Aus dem Zusammenspiel von Material und Bewegung entwickelt sich ein Anfang, der bewusst unbestimmt bleibt.
Im weiteren Verlauf verdichtet sich die Arbeit zunehmend. Farbschichten überlagern sich, werden wieder verändert, teilweise entfernt oder neu aufgebaut. Der Umgang mit dem Material variiert dabei ständig: mal entstehen großflächige, gestische Spuren, mal präzisere, zurückhaltende Eingriffe. Unterschiedliche Werkzeuge kommen zum Einsatz und prägen die Oberfläche auf ihre eigene Weise. Dünne Farbschichten erzeugen Tiefe, während pastose Aufträge Widerstand und Präsenz schaffen. Linien ordnen, Flächen verschieben sich und verändern ihre Wirkung.
Farben treten miteinander in Beziehung, verstärken sich oder stehen im Kontrast. Proportionen verändern sich, Strukturen entstehen, lösen sich wieder auf und finden neue Formen. Das Bild entwickelt sich nicht linear, sondern in einem Prozess, der von Überlagerungen und Korrekturen geprägt ist – ein fortlaufendes Austarieren zwischen Aufbau und Reduktion.
Parallel dazu verändert sich auch meine Position im Arbeitsprozess. Ich agiere nicht nur gestaltend, sondern reagiere auf das, was bereits entstanden ist. Das Bild gibt Impulse, stellt Anforderungen, fordert Entscheidungen heraus. Es entsteht ein Dialog, in dem sich Phasen des flüssigen Arbeitens mit Momenten des Zweifelns und Neuorientierens abwechseln. Jede Handlung ist ein Abwägen zwischen Eingreifen und Zurücknehmen.
Der Arbeitsprozess entwickelt dabei eine eigene Dynamik. Planung, Erfahrung und Intuition greifen ineinander, ohne dass sich alles vollständig kontrollieren lässt. Unterschiedliche Techniken werden kombiniert, angepasst oder verworfen. Ich greife ein, verstärke, überarbeite oder lasse bewusst Dinge stehen. Dabei bewegt sich die Arbeit zwischen Leichtigkeit und Widerstand, zwischen gezieltem Handeln und offenem Experiment.
Das fertige Bild ist schließlich mehr als ein Endzustand. Es zeigt Spuren seines Entstehens: Überlagerungen, Brüche und sichtbare Veränderungen bleiben erhalten. Auch frühere Stadien, die teilweise überarbeitet wurden, wirken weiterhin nach. So wird der gesamte Prozess im Ergebnis sichtbar – als vielschichtige, lebendige Struktur, die ihre eigene Entwicklung in sich trägt.